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Gross Ruchen
Der dunkle Turm (Topo)
V/6M, 4a, 680 m.
EB: U.Odermatt , C. Schaub am 10.10.1999
Am 10.Oktober 99 gelang mir mit Stefan Tuni die erste Durchsteigung der 700 m hohen Nordostwand des Gross Ruchen im Brunnital. Trotz der relativ geringen Schwierigkeiten von Schottisch 5 wurde die 700 m hohe Wand noch nie durchstiegen. Vermutlich weil sie sehr abgelegen und versteckt ist, aber auch wegen des äusserst brüchigen Fels der eine Durchsteigung nur bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt zulässt.
Die Sicherungsmögichkeiten sind entsprechend schlecht, die Standplätze oft mehr als bescheiden.
Wir nannten die Tour "Les reines prochaines".
Während des Abstiegs fiel uns eine markante, teilweise eisgefüllte Verschneidung östlich unserer Route auf.
Noch in der Nacht vom 20.Oktober stieg ich dann mit Christoph Schaub zu besagter Route auf.
Als der Tag anbrach waren wir uns jedoch nicht mehr so sicher ob eine Durchsteigung möglich sein würde.
Eine ca. 200 m hohe Headwall schien sehr geschlossen zu sein.
Trotz aller Zweifel stiegen wir ein und kamen zunächst auch ganz gut vorwärts.
Nach der sechsten Seillänge steilte sich die Wand auf und bot anhaltend schwere Eis-und Mixedkletterei.
Nach weiteren 4 Längen erreichten wir die vermeintliche Schlüssellänge, welche teilweise überhängende Kletterei in einer eisgefüllten Verschneidung verlangte.
Ein Eisfall führte unter die Headwall die uns erstarren liess. Eine kompakte Felswand, überragt von einem schwarzen Klemmblock mit einem Durchmesser von ca. 30 m, schien keinen Durchstieg zu erlauben. Da wir zu diesem Zeitpunkt für einen Rückzug sehr schlechte Karten hatten und ein Biwak ohne Ausrüstung auch nicht erstrebenswert schien, setzte ich alles auf eine Karte.
Ein 80Grad steiler Eisfall führte mich unter die geschlossene Wand.
Mit einem 5 m Quergang könnte ich eine brüchige Verschneidung erreichen. Doch der Fels war vereist, gerade so dass man die Eisgeräte nicht einsetzen konnte.
In einem Eiertanz hart an der Sturzgrenze erreichte ich die Verschneidung schliesslich doch. Ein windig gesetzter Friend erlaubte mir die letzte schwere Felsstelle in Angriff zu nehmen.
Ein heikler Aufsteher brachte mich auf ein Band von dem aus wir unter dem Block durch in die Freiheit fliehen konnten.
Christoph bestätigte die Schwierigkeit von M6 im Nachstieg.
Erst jetzt bemerkten wir, dass in der Zwischenzeit ein heftiger Föhnsturm aufgezogen war, welcher uns im Abstieg immer wieder in die Knie zwang.
Bereits wieder in der Dunkelheit erreichten wir unseren Wagen an dem eine Busse über 100.- war wegen Uebertreten eines Fahrverbotes. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Bevölkerung der Zentralschweiz noch nicht reif ist für solche Unternehmen.
Die Tour ist in Punkto Schönheit mit den besten Eisrouten im Mont Blanc Gebiet zu vergleichen und bietet die bisher schwierigste Eiskletterei in den Urner Alpen.
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