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Graustock NE-Wand
Sinfonie des Grauens (Topo)
VI/5+M6b / 1060m
EB: Urs Odermatt , Peter Keller 1./2. Dezember 2000
Mit leichter Verspätung erreichen wir um 12Uhr Mittags den Wandfuss des Graustocks oberhalb der Station Trübsee bei Engelberg. Die Temperaturen um plus 10 Grad laden nicht sonderlich zum Eisklettern ein. Ausserdem haben wir keine Ahnung wo sich der Einstieg zur Route "Schwarzwalklinik" befindet. Wegen des total verregneten Herbstes gibt es mehr Eisspuren als normal und wir können uns nicht so recht vorstellen wo es hoch gehen soll. Denn die Felslängen die zu den Eisfällen führen sehen überall schwer und brüchig aus.
Wir entscheiden, auf der für uns logischsten Linie zu klettern. Dass wir nicht auf der geplanten Route sondern im Neuland klettern, wurde uns schon in der zweiten Länge klar. Trotzdem sticht Peter furchtlos in die geschlossene Wand, versucht mit Keilen und einigen Normalhaken die Felspassagen im Schwierigkeitsgrad 6b so gut es geht abzusichern. Nach langem warten und zittern vor Spannung gelingt es ihm, in einem Querriss zwei Haken zu schlagen und daran Stand zu machen. Wegen der grossen Schwierigkeiten ziehen wir den schweren Rucksack mit der Biwakausrüstung nach. Am Stand gilt es dann, sämtliches Material neu zu sortieren da ich wieder die Führung übernehmen muss für die folgenden Mixedlängen. Ich steige an Peter vorbei als es ein Ruck gibt und wir Beide mit dem Materialsack 2m tiefer hängen. Das Adrenalin schiesst durch meinen Körper und der Puls beginnt zu rasen. Der Standhaken riss aus und wir hängen frei an einem einzigen Normalhaken. Sofort versuchen wir, zu entlasten und den Querriss zu erreichen um weitere Haken zu schlagen. Nur mit Mühe gelingt es mir, mich soweit zu konzentrieren um eine zweite Sicherung anzubringen. Doch was nun? Abseilen? Es ist bereits halb vier Uhr und bald wird es dunkel. Noch drei Seillängen bis zum Biwakplatz. Ohne viel Worte zu verlieren klettere ich los. Das soeben erlebte ist noch nicht richtig ins Gehirn durchgedrungen und es gelingt mir, die schlecht gesicherte Mixedlänge bis ins Kompakteis zu führen. Dort baue ich Stand an 3 Eisschrauben. Obwohl Peter zügig nachklettert dämmert es bereits als er den Stand erreicht. Langsam in Zeitnot geratend steige ich so schnell als möglich weiter. Ein 90Grad steiler Eisschlauch führt auf das grosse Schneeband wo wir biwakieren wollen. Doch nach zwei Metern wird mir schwindlig. Der Schrecken holt mich ein und ich werde unruhig, will umkehren. Noch können wir abseilen. Zurück ins Leben. Ich hab keine Ahnung was mich Antrieb, doch irgendwie gelang es mir, mich nochmals zu konzentrieren und weiter zu klettern. Da wir nur 7 Eisschrauben dabei haben muss ich mit den verbleibenden vier für die nächsten 60m auskommen. Doch die Angst beflügelt mich, hilft mir meine Energie aufs klettern zu lenken. Wie in Trance steige ich höher, 80Grad steiles Eis, keine Sicherung auf den letzten 30m. Das es in der Zwischenzeit vollends finster wurde nehme ich noch gar nicht war. Peter steigt in kompletter Dunkelheit nach. Die Stirnlampen sind irgendwo im Rucksack. Kurz darauf erreichen wir den Biwakplatz. Kochen Tee, geniessen die Nacht und das Gefühl, noch am Leben zu sein.
Zustieg
Von der Station Trübsee oberhalb Engelberg in ca. 30 min unter die markante Wand.
Abstieg
Vom Ausstieg zuerst ca. 40 m nach Osten abseilen (eingerichtet) und anschliessend zurück zur sichtbaren Skipiste (ca. 1 Stunde)
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Eindrücke aus der "Sinfonie des Grauens"
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